Himmel auf Erden: Patagonien

Die Zeit auf unserer Reise ist wie im Raumschiff Enterprise vergangen, nicht wie im Flug. Denn dann wären wir wohl erst in Australien... Wie dem auch sei. Wie im letzten Bericht angetönt, kamen wir mal wieder zu einer äusserst unmenschlichen Zeit in Punta Arenas an. 4.45 Uhr nach einer Nacht ohne Schlaf. Obwohl das nichts Neues ist, raubt es doch etwas die Substanz. Der Counter für das Mietauto war natürlich geschlossen. Müssen wir jetzt wirklich weitere 3.5 Stunden warten bis irgendwer wach ist? Wenigstens war da eine Telefonnummer. Und einmal mehr wünschte ich mir, ich hätte etwas länger Spanisch gelernt. Erklär mal jemandem, den du gerade geweckt hast, in einer Sprache die du nicht beherrschst, morgens um etwa 6 Uhr, dass du gerne dein Auto hättest. Am Flughafen. Er hat es erstaunlich relaxed genommen. Guter Mann. Gleich zu Beginn stand eine 350 Kilometer lange Strecke nach Norden in den Torres del Paine Nationalpark an. Hab ich erwähnt, dass ich mal wieder nicht geschlafen habe? Jedoch bei 4 Grad Aussentemperatur und nicht gerade schwachem Wind reicht eine Zigarettenpause und man ist wieder hellwach. Nach rund 250 Kilometern machten wir eine Mittagspause in Puerto Natales. Für viele der Ausgangspunkt in den Torres del Paine. Wir würden aber erst nach dem Nationalpark hier übernachten. Deshalb ging es auch bald wieder weiter. Bald schon sahen wir in der Ferne die Namesgeber des Nationalpark, die Torres. Und wir sahen sie gut, sprich das Wetter war phänomenal. In der Atacama regnets nie, in Patagonien dauernd und der Wind macht die Evolution ungeschehen. Anscheinend kann man kaum aufrecht stehen. Sagt man. Diesmal war uns das Glück hold und wir hatten keinen Regentropfen. Keinen einzigen. Und nur auf einem Aussichtspunkt war der Wind stark genug, uns ins wanken zu bringen. Ach wie waren wir froh, den Wettergott (Thomas Bucheli?) endlich auf unserer Seite zu haben. Und wie gesagt, wir hatten eine sensationelle Aussicht. Sahen Guanaco's (Mischung aus Reh und Lama), Ñandu's (quasi ein kleiner Bruder des Emu), Füchse und jede Menge Vögel. Unsere Hotel war am Fusse der Torres. Inmitten von Natur. Klar, es war auch da kalt, aber schliesslich schleppten wir unsere Daunenjacken die ganze Reise mit, jetzt konnten wir sie wenigstens anziehen. Und die Kappe. Nach einem ansprechenden Nachtessen und einer Flasche Chilenischen Weins, begaben wir uns nochmals in der Nacht nach draussen und waren begeistert von den milliarden Sternen. Schliesslich hatten wir in Hawaii eine Lebensmittelvergiftung und in der Atacama regnete es. Aber viel mehr als in Patagonien kann man vermutlich sowieso nicht sehen. Die Kälte hielt uns nochmals etwas wach, bevor wir, kaum im Zimmer, beinahe im Stehen in den Tiefschlaf fielen.

Der zweite Tag führte uns vom Norden des Parkes in den Süden, zu unserem zweiten Hotel. Das hiess, wir mussten um die Torres rum fahren. Erst da offenbarte sich die fast magische Anziehungskraft dieses Massivs. Topographisch muss man sich das in etwa so vorstellen: Ein Krater mit rund 200 Kilometern Durchmesser und einem Kraterrand auf etwa 1500 Meter und der Kraterboden auf ca. 600 Meter. In der Mitte des Kraters erhebt sich das Torres-Massiv 3000 Meter hoch und einem Durchmesser von rund 100 Kilometer. Abgesehen davon, dass das Gebirge nicht vulkanischen Ursprungs ist, kommt die Beschreibung hin. Man fährt also von der Nordseite dieses inneren Kegels via Osten nach Süden. Und der Anblick der Berge verändert sich mit jeder Kurve, jedem See und jedem "Mini-Pass". Folglich seht ihr in der Gallerie anstelle von Sand und Fels diesmal millionenfach Fotos vom selben massiv, aus anderer Perspektive. Und immer wieder irgendwie spektakulär. So war dann auch die Aussicht vom Hotel im Süden des Parks. Vom Norden her sieht man die Torres, vom Süden aus die Cuernos, die Hörner. Und von unserem Hotel aus die ganze Breitseite. Das Hotel ist auch abgesehen davon sehr schön. Nur mit dem Essen muss man sich etwas einfallen lassen. Da es keine Shops in der Region gibt, bleibt fast nur das katastrophale Buffet des Hotels, oder das kleine Restaurant nebenan, welches ganz in Ordnung wäre, zum halben Preis. Den dritten Tag im Park verbrachten wir mit ein wenig Wandern am Lago Grey. Ein Gletschersee, im wahrsten Sinne des Wortes. An einem Ende fallen die Eisblöcke in den See, treiben über die gesammte Länge, um am anderen Ende auf Grund zu laufen und langsam vor sich her zu schmelzen. Und das bei schönem Wetter ergibt wieder so eine Million-Dollar-View. Ja, vor Freude machten wir sogar noch ein Jump-Foto in Erinnerung an Neuseeland-Michu. GGar nicht so einfach, mit Timer und Selbstauslöser. Leider führte uns der Verlauf der Zeit unweigerlich schon zum letzten Abend im Park. Der wiederum verabschiedete sich mit einem wunderschönen Sonnenuntergang.

Am nächsten Morgen zogen ein wenig Wolken auf, quasi um uns das Wegfahren zu erleichtern. Auf der SChotterpiste nach Puerto Natales liegt das Cuave del Milodon. Eine Höhle, in der Überreste eines Uhrzeit-Riesenfaultiers gefunden wurden. Vom Faultier ist ausser eine Plastik nichts mehr übrig. Jedoch kann man mit ein wenig Vorstellungskraft gut sehen, weshalb es sich diese Höhle aussuchte. Zum Schutz vor Wetter und Wind wäre ich auch da hinein gekrochen. Alles in Allem ansonsten kein Highlight, jedoch für rund 6 Franken pro Person auch nicht sehr teuer. In Puerto Natales setzten wir uns gleich mal wieder in ein Cafe und verdrückten einen leckeren Meatpie. Unser Hotel lag etwas ausserhalb und stand zur Hälfte noch im Bau, bzw. im Erweiterungsbau. Und genau da waren wir einquartiert. Erst etwas perplex, dass das Ding bewohnbar ist, jedoch bald angenehm überrascht. Wir hatten ein Fenster von etwa 2.5x2.5 Meter mit Aussicht über den See und in die Berge. Vom Bett aus. Nach ein wenig Window Shopping machten wir uns ans Nachtessen und bald darauf auch ins Bett.

Am Sonntag fuhren wir zurück nach Punta Arenas. Der Hauptstadt der Region. Das änderte leider nichts daran, dass alles geschlossen war. Sogar die TouristInfo, die uns hätte sagen können, wie wir in unser Hotel kommen. Also, alle 3 TouristInfos. Somit bestand unser Erlebnis von Punta Arenas in ein wenig durch die Stadt laufen und im Hotel rumlungern.

Nun sitzen wir am Flughafen in Punta Arenas und warten auf unseren Flug. Eigentlich hätten wir bereits wieder in Santiago sein sollen, aber leider hatte die LAN (Fluggesellschaft) zwischen Buchungs- und Flugdatum entschieden, eine Flugplanändeung vorzunehmen und unseren Flug zu streichen. So verlieren wir einen halben Tag in Santiago, wo wir ja ohnehin schon kaum Zeit gehabt hätten. Dann sei es halt so. Wir kommen ohnehin irgendwann anch Chile zurück.

So, dies war vermutlich mein letzter Reisebericht. Wenn ich Zeit und Lust habe, werde ich dann noch eine kleine Zusammenfassung mit Reistipps schreiben. Oder besser: schreib doch kurz ins Gästebuch, ein Mail oder ein SMS, ob dich sowas interessieren würde.

Ansonsten, vielen Dank für Lesen und bis bald.

Nachtrag: Bereits wieder in Santiago de Chile. Und der Blick aus dem Flieger über den Torres del Paine war der Brüller! Habe kein Foto gemacht, das würde nur die Erinnerung trüben...