Rain over Paradise: Atacama

Jaja, die Fliegerei. Einst der Oberklasse vorbehalten, kann sich heute jeder Depp ein Ticket leisten. Klar, es ist ja nicht so, dass ich mir diese Reise zu den früheren Preisen hätte leisten können. Manchmal wundere ich mich jedoch schon etwas. Oder anders gesagt: meine Vision vom Weltuntergang aufgrund übermässig viel Dummheit wird immer wahrscheinlicher. Wie ich bereits im Vorfeld jammerte, stand der Monsterflug Honolulu - San Francisco - Toronto - Santiago de Chile an. Deshalb mal schön der Reihe nach. In Honolulu kam kurz vor Boarding die Durchsage, dass die Fluggäste doch ihre zu grossen Hangepäckstücke einchecken mögen, da der Flug komplett ausgebucht sei. Sowas hatte ich noch nie gehört. Bei einem Blick in die Runde wurde mir dann aber bald mal klar, worum es ging. Es gab doch tatsächlich Personen, die einen Trolley in der Grösse eines Kleinwagens plus einen Rucksack mit dem Fassungsvermögen eines Whirlpools als Handgepäck deklarierten. Und es waren definitiv nicht nur zwei Personen so bestückt. Da wundert es mich nicht, dass der Platz in den Over-head bins ausgeht. Und weil im Handgepäck jede Menge Zeugs von unschätzbarem Wert drin ist, muss natürlich 20 Minuten drüber diskutiert werden, weshalb man jetzt das Gepäckstück nicht in den Flugzeugbauch senden kann. 20 Minuten pro Person, versteht sich. Beim eigentlichen Boarding brillierte die Fluggeimeinschaft bereits zum zweiten Mal. Weil offensichtlich niemand in der Lage ist zwischen welchen Sitzreihen sein eigener Sitz wohl ist, musste auf dem Boaring Pass eine Nummer aufgedruckt werden, die alle Passagiere in vier Gruppen aufteilte. Das ist viel einfacher! Wenn die Gruppe zwei aufgerufen wird, gehen alle mit einer Zwei auf dem Boarding Pass nach vorne. Das kapiert jedes Kind. Nur die, nennen wir sie mal evolutionär Benachteiligten, kapieren nicht mal das. Sie haben den Weg aber nicht allzu arg blockiert, denn die Hälfte hat nicht mal gepeilt, bei welcher Tür das Boarding stattfindet. Jetzt kann man sagen, das sei der gemeine Pöbel. Fair enough. Das Personal am Flughafen San Francisco war jedoch nicht allzu viel besser. Da der Flughafen nicht viel zu bieten hat, pendelten wir während unserem 7-Stunden Aufenthalt immer mal zwischen Airside und non-Airside hin und her. Man darf ja nirgends mehr rauchen. Das hiess für uns immer wieder durch die Sicherheitskontrolle. Beim ersten Mal wurde Name und Flug auf der Boardkarte abgestrichen. Soweit so gut. Bei allen weiteren Passagen am Sicherheitsfritzen vorbei, wurden wir dann aber auf eine kaum lösbare Probe gstellt, ob ich wirklich der Typ bin, dem der BoardingPass gehört: ich musst meinen eigenen Namen auswendig aufsagen. Jedes Mal, wenn ich wieder rein wollte. Immer beim selben Typen, der wohl das Gedächtnis eines Goldfisches hatte. Ich bekam je länger je mehr Angst vor mir selber, dass ich mich irgendwann als Renée Zellweger ausgebe. Oder Hillary Clinton. Glücklicherweise konnte ich mich aber beherrschen. Man sagt, die Jungs haben nicht allzu viel Sinn für Humor. Ich könnte noch weitere Sachen aufzählen, aber ich habe so schon wieder zu viel eurer Zeit mit Schwachsinn vergeudet. Drum geht's nun weiter mit dr Reise. Nach effektiven 21 Stunden Flug und 14 Stunden Rumsitzen sind wir am 16.02. endlich in Santiago de Chile gelandet. Nudelfertig. Entsprechend haben wir viel von Santiago gesehen: das Taxi, ein Restaurant um die Ecke beim Hotel. Punkt. Nicht mal ausschlafen war drin. Am nächsten Morgen flogen wir bereits um 08.00 Uhr weiter in den Norden nach Calama in die Atacama-Wüste. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass wir das Auto von er lausigsten Station im ganzen Land gemietet hatten. Google-Recherchen bestätigten dann aber unseren Verdacht. Ein Innenhof mit mehr Schrott- als fahrtüchtigen Autos. Unser Nissan X-Trail war wenigstens mit Abstand der, der am zuverlässigsten aussah. Der Rundumcheck zeigte zwar, dass das Reserverad schon schwer angeschlagen war, wir hofften aber, es gar nicht erst zu brauchen. Wir drückten beide Augen zu und nahmen das Auto ab. Kaum auf der Strecke von Calama nach San Pedro de Atacama angelangt und etwas mehr beschleunigt, fiel mir das überraschend laute Abrollgeräusch hinten link auf. Ein kurzer Stopp und ein Rundgang ums Auto klärte auch das auf: wir sassen auf vier verschiedenen Pneus. Nicht einfach das Pendant verschiedener Marken, nönö, auch komplett verschiedene Typen. Vom V-Profil Strassenreifen bis zum All-Terrain Pneu war alles dabei. Die Angst, dass wir doch auf den Reservereifen zurück greifen müssten, stieg ein wenig. Aber auch die verdrängten wir wieder. Schliesslich ist die Atacama um San Pedro relativ gut befahren, wenn man schon keinen Mobilempfang hat. Nun genug gejammert. Zwar, Einen muss ich noch los werden. Wer schon jemals etwas von der Atacama gehört hat, wird wohl als Erstes damit in Verbindung bringen, dass es sich um den trockensten Ort der Welt handelt (sofern man den Schnee in der Antarktis als Niederschlag zählt). Aber wir wären wohl nicht wir, wenn wir nicht den Regen mit in die Wüste genommen hätten. Gemäss Einheimischen hat es seit 10 Jahren nicht mehr geregnet. In einigen abgelegenen Tälern gar rund 100 Jahre! Aber bitte, fordert uns doch mal etwas. Diese lächerliche Aufgabe haben wir mit Bravour gemeistert und die 100 Jahre wieder auf 0 gesetzt. Entschuldigen wollen wir uns an dieser Stelle jedoch für die weggeschwemmten Strassen und Brücken. So heftig wars nicht gemeint. Nun aber wirklich zum Erlebten. Die Region um San Pedro de Atacama ist ein Traum. Oh, ja, noch eine Entschuldigung. Die Bilder in der Gallerie bestehen grösstenteils aus Stein, Sand und Himmel. Für euch wohl etwas langweilig. Wir konnten aber nicht genug davon kriegen. Item... Die Täler wie das Valle de la Luna (Mond-Tal) und das Valle de la Muerte (Tal des Todes) liegen in der sogenannten Cordillera de Sal, einem Hügelzug der eine Salzader beinhaltet. Entsprechend unterschiedlich sind Dichte und Porösität des Gesteins, was zu unwirklichen, ja ausserirdischen Formationen führt. Das Ganze dann noch durchzogen, oder auch "gezuckert" vom weissen Salz. Aufgrund der Regenfälle blieb besonders viel Salz an der Oberfläche liegen, als das Wasser verdunstete. Den umgekehrten Effekt hatten die Regenfälle beim Salar de Atacama, dem Salzsee. Anstelle der zu erwartenden Salzkruste mit einem Wassertümpel, fanden wir eine grosse Lagune ohne jeglicher Kruste vor. Das schien den Flamingos umso besser zu gefallen. Ein weiterer Ausflug führte uns zu den Bergseen Laguna Miscanti y Miniques. Die beiden Seen befinden sich auf dem Altiplanico auf 4200 Meter über Meer. Im Gegensatz zu Hawaii hatten wir dieses Mal keinerlei Probleme mit der Höhe, schliesslich liegt San Pedro bereits auf 2400 Metern und somit waren wir bestens aklimatisiert. Die beiden "Lagunen" sind von schneebedeckten 5000-er umgeben und bilden eine wunderschöne Kulisse. Glauben wir zumindest. Aufgrund der Wolken haben wir leider nur die Hälfte gesehen. Was mich zum Vulkan Lincacanbur bringt. Mächtig thront der weisse, fast 6000 Meter hohe Riese über San Pedro. So glauben wir. Denn gesehen haben wir auch den nie ganz. Ich weiss gar nicht, was ich noch sagen soll. Obwohl wir, ausnahmsweise mal, nicht allzu viel Glück mit dem Wetter hatten, kamen wir kaum aus dem Staunen. Die Atacama muss unbedingt nochmals besucht werden. Am Besten gleich für 4 Wochen, dann wird es ja wohl an einem oder zwei Tagen nicht bewölkt sein, am trockensten Ort der Welt... Als Abschluss stand der Abflug ab Calama in den Süden an. Das Timing perfekt für den Sonnenuntergang, den Sitz links am Fenster, Platz 24A, damit man die Spitzen der Anden im roten Licht betrachten kann. Oder so. Erstens hatten wir Verspätung und die Sonne war so ziemlich weg. Zweitens wollte der Pilot eine andere Route als am Hinweg fliegen und ging somit östlich der Anden entlang. Was mir eine wunderbare Aussicht auf genau Nichts beschehrte. Der Anschlussflug ab Santiago nach Punta Arenas in Patagonien war mitten in der Nacht, was bedeutete, wieder kein Schlaf. Mehr dazu dann aber im Bericht über Patagonien. Hasta luego!