Zum ko....! Bye Bye, Hawaii

Ach, wie langweilig wäre es doch, wenn alles glatt gehen würde. Wie steril, wenn immer alles nach Plan gehen würde. Und wie unaufregend. Diesmal nicht das Wetter, oder die Tide, oder Stau, oder sonst einer dieser Punkte zum Jammern auf hohem Niveau. Nein, diesmal erwischte es uns leider härter. Einiges. Ihr erinnert euch an den Plan, dass wir endlich an den Strand wollten, endlich ausspannen nach so vielen Tagen auf Achse. Tja, daraus wurde wiedermal nichts. Aber nicht wegen einem plötzlichen Wintereinbruch oder Hai-Alarm.

Nein, wegen einem Burrito. Ja genau, das ist sowas wie ein Dürüm (Fladenbrot-Kebap) auf mexikanisch. Unserer war eventuell wirklich aus Mexiko. Verschickt mit einem Containerschiff, ungekühlt. Denn kaum hatte ich den letzten Bericht und die Fotos hochgeladen, machte sich der Magen mit getöse bemerkbar. "Wohl nicht so schlimm, wird das Bier sein", dachte ich und schlief ein. Um etwa 3.00 Uhr morgens war ich wieder hellwach. Und so war Livia. Kurz darauf folgte eine rund 6-stündige, sehr gut choreographierte Theatervorstellung. Glaubt mir, ich schreibe überhaupt nicht gerne über sowas, aber damit ihr versteht was vor sich ging, muss ich leider etwas konkretisieren. Ausgangslage: 1x Klo, 2x Personen mit je 2 Problemen. Wir mussten also die ganze Nacht schauen, dass wir nur erbrechen, wenn das Klo frei ist. Und auch nur dann, wenn der Durchfall nicht zuerst raus muss. Oder umgekehrt. Wir hatten ein Viertelstundenrotationsprinzip (ich weiss, das könnte man besser schreiben, aber ich finds so ein schönes Wort): 5 Minuten Warten, 5 Minuten Klo, 5 Minuten Schlafen. Als das Erbrechen um etwa 9 Uhr morgens ein Ende nahm, entschieden wir, dass der Strand die wohl dümmste Idee der Welt ist und wir uns, nach der Einnahme von Antibiotika, doch noch was zu schlafen. Denn das nächste Dilemma stand an. Am Tag danach stand der Flug nach Maui an. Zwar nur etwa eine halbe Stunde lang, aber das reicht unter Umständen für einige Kotztüten, nicht zu sprechen vom ewigen Rumstehen, Sicherheitskontrollen, Autoabgabe (beinhaltet Autofahren), neues Auto entgegen nehmen, usw. Ein Tag im Bett wars also, und nein, er war definitiv nicht romantisch. Abends dann nochmals ein Antibiotika und dann wird es hoffentlich schon werden.

Der nächste Tag ist dann relativ schnell erzählt. Der Morgen war ertragbar. Der Flug ging so. Autofahren ging unfallfrei. Und dann waren wir im "Hotel" auf Maui. "Hotel" steht so da, weil es eher Wohnungen sind. Also unsere war eine Zweieinhalbzimmer-Wohnung, und gross dazu. Mit einem 50 Zoll Flachbildschirm (oder noch grösser?), einer Badewanne neben dem Bett (?!) und einer grossen Küche. Und Balkon, natürlich. Vorallem die Küche kam uns unerwarteterweise sehr zugute, mussten wir doch nicht im Restaurant essen, nach den Eskapaden von vorletzter Nacht. Am nächsten Morgen ging es mir dann entsprechend wieder etwas besser. Offensichtlich: Schere, Stein, Papier, Antibiotika, Lebensmittelvergiftung. Zu den normalen, bekannten Regeln folgende: Stein schlägt Antibiotika, Antibiotika schlägt Lebensmittelvergiftung, aber Lebensmittelvergiftung vergiftet Papier. Oder so. Wie dem auch sei. Die Entdeckung Maui's stand an. Für den Anfang mal Westmaui, eine Halbinsel mit einer Strasse rund herum. Die wir nicht fahren dürfen. Dämliche Vermietung. Aber hier die positiven Punkte: viele Buckelwale, Lahaina (ein herziges Städtchen) und das Blowhole ganz oben. Und die Erkenntnis, dass ich noch immer nicht ganz auf dem Dampfer bin. Kopfweh und Übelkeit plagen mich wieder. Livia geht es glücklicherweise etwas besser, wenn auch nicht 100% ok. Mein Zustand bedeutete jedoch, dass wir zurück ins Hotel fahren und uns wieder etwas ausruhen. Gestern, also am 13.02., befuhren wir die berühmte "Road to Hana", eine Strasse, die sich der Nordküste entlang bis ganz in den Westen, nach Hana eben, schlängelt. Ich habe gelesen, dass es rund 40 One-Way Brücken sind. Gezählt habe ich nicht, gefühlt waren es aber rund 436. Und unterbrochen wurden sie durch etwa 4 Millionen Kurven. Und ja, sie war sehr schön. Leider offenbarte sie aber auch sehr eindrücklich eine der grossen Schwächen Hawaii's (oder der USA?): wenn es so viele schöne Sachen zum Anschauen gibt, warum zum Henker nicht mal ein Schild hinstellen, was es wo zu sehen gäbe? In unserem Reiseführer stand was von vier sehenswerten Wasserfällen. Gefunden haben wir einen davon. Und weil es für 15'000 Touristenautos zwei Parkplätze gibt, haben wir nicht mal den fotografieren können. Wenn die USA einen einzigen Flugzeugträger weniger bauen lassen würden, hätten sie genug Geld um alle hawaiianischen Inseln mit Schildern zuzupflastern und obenhin noch Geld in der Portokasse für Parkplätze. Ach ja, vonwegen Parkplätzen. Wenns mal hatte, waren sie irgendwo, wo's nichts zu sehen gab. Ich musste mich zusammenreissen, nicht die Nerven zu verlieren, denn schliesslich war es ja trotzdem schön, und das wollte ich geniessen. Aber ich denke, man merkt ein wenig raus, dass ich immernoch ein kleinwenig frustriert bin, wenn ich daran denke. Auf dem Rückweg stoppten wir noch bei einem bekannten Surferspot, wo es doch ziemlich eindrückliche Wellen zum Reiten gab. Und die tiefstehende Sonne machte es noch schöner. Leider meldeten sich die Kollegen Kopfweh und Übelkeit wieder und so ging es dann wieder zurück in unsere Wohnung.

Mit heute Morgen brach dann leider auch schon der letzte Tag in Hawaii an, und endlich, der erste Tag seit der Lebensmittelvergiftung, an dem ich nicht schon mit Kopfweh aufstehen musste. Und weil wir unsere Wohnung erst um 12.00 mittags abgeben mussten, konnten wir sogar morgens tatsächlich noch für eine Stunde an den Strand. Endlich! Kurz, aber schön. Zudem besuchten wir noch kurz das Iao Valley. Ein Tal, das sich aus einem Vulkankrater gebildet hat. Entsprechend steile Wände umgeben es, und trotzdem sind sie grün. Am Nachmittag setzten wir uns dann in den Flieger zurück nach Honolulu, wo wir jetzt auf den Flug nach San Francisco warten. Von da aus geht's weiter nach Toronto und dann nach Santiago de Chile. Flugtechnisch kommt jetzt der mit Abstand schlimmste Teil unserer Reise. Aber hey, wir sind ja wieder gesund.

Die Fotos werde ich wohl in San Francisco hochladen, also noch ein wenig Geduld.

Buenas noches!